Lehmfarbe auftragen: Tipps für ein schönes und gleichmäßiges Ergebnis

Lehmfarbe ist eine natürliche Möglichkeit, Innenräume farblich zu gestalten. Sie eignet sich besonders für Menschen, die Wert auf natürliche Baustoffe, matte Oberflächen und ein angenehmes Raumgefühl legen.

Damit die Farbe gleichmäßig haftet und die Oberfläche schön zur Geltung kommt, sind vor allem drei Dinge entscheidend: ein geeigneter Untergrund, die richtige Vorbereitung und eine sorgfältige Verarbeitung.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf Sie beim Auftragen von Lehmfarbe achten sollten und welche Fehler Sie vermeiden können.

Warum Lehmfarbe?

Lehmfarben bestehen je nach Produkt aus unterschiedlichen mineralischen und natürlichen Bestandteilen. Typisch sind Lehm beziehungsweise Tonmineralien, mineralische Füllstoffe und natürliche Pigmente.

Eine Besonderheit vieler Lehmfarben ist ihre Fähigkeit, Wasserdampf aus der Raumluft aufzunehmen und bei veränderten Raumluftbedingungen wieder abzugeben. Dadurch können sie zur Feuchtepufferung im Innenraum beitragen.

Lehmfarben zeichnen sich außerdem häufig durch folgende Eigenschaften aus:

  • natürliche, matte Oberflächen
  • mineralische und erdige Farbtöne
  • gute Eignung für viele Innenräume
  • diffusionsoffene Eigenschaften bei geeignetem Wandaufbau
  • einfache Verarbeitung, abhängig vom Produkt
  • Möglichkeit zur späteren Ausbesserung bei geeigneten Untergründen und Farbsystemen

Die genauen Eigenschaften und Verarbeitungshinweise hängen immer von der jeweiligen Lehmfarbe ab.

Vorbereitung ist entscheidend

Ein schönes Ergebnis beginnt nicht erst mit dem Farbauftrag. Der Untergrund ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gleichmäßige und dauerhaft schöne Oberfläche.

Untergrund prüfen

Der Untergrund sollte:

  • sauber
  • trocken
  • tragfähig
  • möglichst gleichmäßig
  • frei von losen Bestandteilen

sein.

Lose Farbschichten, abblätternde Beschichtungen und nicht tragfähige Tapeten müssen entfernt werden. Staub und Verschmutzungen können die Haftung beeinträchtigen.

Bei unbekannten oder unterschiedlich saugenden Untergründen empfiehlt es sich, zunächst eine kleine Probefläche anzulegen.

Saugfähigkeit beurteilen

Je nach Untergrund kann Lehmfarbe unterschiedlich stark und schnell einziehen.

Stark saugende Untergründe können dazu führen, dass die Farbe sehr schnell anzieht. Dadurch kann die Verarbeitung schwieriger werden und die Oberfläche ungleichmäßig erscheinen.

Je nach Produkt und Untergrund kann deshalb eine geeignete Grundierung sinnvoll sein.

Bei Lehmputz, Gipsputz oder anderen saugenden mineralischen Untergründen sollte die jeweilige Herstellerempfehlung berücksichtigt werden.

Wichtig: Nicht jede Lehmfarbe benötigt dieselbe Grundierung. Verwenden Sie nur eine für den jeweiligen Untergrund und das Farbsystem geeignete Vorbereitung.

Die richtige Verarbeitungstemperatur

Lehmfarbe sollte unter geeigneten raumklimatischen Bedingungen verarbeitet werden.

Zu niedrige Temperaturen können die Trocknung verlangsamen. Sehr hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung oder starke Zugluft können dazu führen, dass die Farbe zu schnell trocknet.

Dadurch kann die Verarbeitung erschwert werden und die Oberfläche möglicherweise ungleichmäßig erscheinen.

Für die konkreten Verarbeitungstemperaturen gelten die Angaben des jeweiligen Herstellers.

Lehmfarbe richtig vorbereiten

Viele Lehmfarben werden gebrauchsfertig geliefert. Vor dem Auftragen sollte die Farbe gründlich aufgerührt werden.

Je nach Produkt kann eine Verdünnung mit Wasser möglich oder vorgesehen sein. Ob und in welchem Umfang die Farbe verdünnt werden darf, hängt jedoch von der jeweiligen Rezeptur und dem gewünschten Ergebnis ab.

Deshalb gilt:

Die Verarbeitungsempfehlung des Herstellers sollte immer Vorrang haben.

Eine stärkere Verdünnung kann beispielsweise die Deckkraft und das Erscheinungsbild der Oberfläche verändern.

Lehmfarbe auftragen: Schritt für Schritt

1. Farbe gründlich aufrühren

Rühren Sie die Lehmfarbe vor der Verarbeitung gründlich auf. Pigmente und mineralische Bestandteile können sich während der Lagerung unterschiedlich verteilen.

Eine gleichmäßige Mischung ist wichtig für ein möglichst einheitliches Farbergebnis.

2. Erste Farbschicht auftragen

Tragen Sie die Lehmfarbe gleichmäßig auf den vorbereiteten Untergrund auf.

Je nach Produkt eignen sich beispielsweise:

  • Farbrolle
  • Flachpinsel
  • Deckenbürste
  • spezielle Streichbürste

Die Wahl des Werkzeugs beeinflusst auch die spätere Oberflächenstruktur.

Arbeiten Sie möglichst ohne längere Unterbrechungen innerhalb einer zusammenhängenden Fläche. So lassen sich sichtbare Ansätze vermeiden.

3. Farbe gleichmäßig verteilen

Lehmfarben können je nach Untergrund und Werkzeug eine charakteristische, leicht lebendige Oberfläche erzeugen.

Für ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis sollte die Farbe nicht zu lange nachbearbeitet werden, sobald sie bereits anzieht.

Gerade bei stark saugenden Untergründen kann sich das Erscheinungsbild während der Trocknung noch verändern.

4. Vollständig trocknen lassen

Die Trocknungszeit hängt unter anderem ab von:

  • Raumtemperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Untergrund
  • Schichtdicke
  • Saugfähigkeit
  • Luftaustausch

Eine Farbe kann sich während der Trocknung optisch noch verändern. Beurteilen Sie das endgültige Farbergebnis deshalb erst nach vollständiger Trocknung.

5. Zweiten Anstrich prüfen

Je nach Untergrund und gewünschter Deckkraft kann ein weiterer Anstrich erforderlich sein.

Besonders bei:

  • stark saugenden Untergründen
  • farblich stark unterschiedlichen Untergründen
  • intensiven Farbtönen
  • hellen Farbtönen auf dunklen Flächen

kann ein zusätzlicher Anstrich notwendig sein.

Auch hier sollten die Herstellerangaben des verwendeten Produkts berücksichtigt werden.

Typische Fehler beim Auftragen von Lehmfarbe

Zu viel Farbe auf einmal auftragen

Eine zu dicke Farbschicht kann ungleichmäßig trocknen.

Besser ist es, die Farbe gleichmäßig und entsprechend der Verarbeitungsempfehlung aufzutragen.

Den Untergrund nicht ausreichend vorbereiten

Staub, lose Altanstriche oder stark unterschiedliche Saugfähigkeit können das Ergebnis beeinträchtigen.

Eine sorgfältige Untergrundprüfung ist deshalb besonders wichtig.

Zu lange nacharbeiten

Wenn die Farbe bereits beginnt anzuziehen, kann wiederholtes Überarbeiten sichtbare Ansätze erzeugen.

Arbeiten Sie deshalb möglichst gleichmäßig und vermeiden Sie unnötiges Nachrollen oder Nachstreichen bereits anziehender Flächen.

Zu schnelle Trocknung

Starke direkte Sonneneinstrahlung, extreme Wärme oder starke Zugluft können die Trocknungsbedingungen ungünstig beeinflussen.

Ein gleichmäßiges Raumklima unterstützt eine kontrollierte Trocknung.

Ohne Probefläche starten

Lehmfarben können je nach Untergrund und Verarbeitung unterschiedlich wirken.

Besonders bei individuellen Farbtönen empfiehlt es sich, vor dem großflächigen Auftrag eine Probefläche anzulegen.

Welche Werkzeuge eignen sich für Lehmfarbe?

Je nach gewünschter Oberfläche und Produkt können unterschiedliche Werkzeuge eingesetzt werden.

Farbrolle

Eine Farbrolle ermöglicht einen schnellen und gleichmäßigen Auftrag.

Pinsel oder Bürste

Mit einem Pinsel oder einer Bürste können bewusst sichtbare Strukturen erzeugt werden.

Schwamm

Ein Schwamm kann für bestimmte dekorative Oberflächen eingesetzt werden. Dabei sollte die Farbe noch entsprechend bearbeitbar sein.

Wichtig: Das Werkzeug beeinflusst die Oberfläche

Die gleiche Lehmfarbe kann mit einer Rolle anders aussehen als mit einer Bürste.

Wer eine besonders gleichmäßige Oberfläche wünscht, sollte deshalb nicht nur auf die Farbe, sondern auch auf das passende Werkzeug achten.

Lehmfarbe auf Lehmputz auftragen

Lehmputz und Lehmfarbe können gut miteinander kombiniert werden.

Vor dem Anstrich sollte geprüft werden:

  • Ist der Lehmputz vollständig trocken?
  • Ist die Oberfläche tragfähig?
  • Gibt es sandende Stellen?
  • Ist die Oberfläche stark saugend?
  • Ist eine Grundierung erforderlich?

Je nach Aufbau kann eine geeignete Vorbereitung notwendig sein.

Bei neuen Lehmputzflächen sollte der Putz vollständig ausgetrocknet und ausreichend fest sein, bevor die Lehmfarbe aufgetragen wird.

Lehmfarbe auf bestehenden Anstrichen

Ob Lehmfarbe auf einen bestehenden Anstrich aufgetragen werden kann, hängt von der vorhandenen Oberfläche ab.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Haftung des alten Anstrichs
  • Saugfähigkeit
  • Oberflächenstruktur
  • Zusammensetzung der vorhandenen Farbe

Nicht tragfähige oder stark glänzende Oberflächen können eine besondere Vorbereitung benötigen.

Bei unbekannten Untergründen ist eine Probefläche sinnvoll.

Unser Praxistipp: Erst testen, dann großflächig streichen

Auch wenn eine Farbe einfach zu verarbeiten ist, kann das Ergebnis je nach Untergrund unterschiedlich ausfallen.

Unser Tipp:

  1. Untergrund prüfen
  2. kleine Probefläche anlegen
  3. vollständig trocknen lassen
  4. Farbe und Oberfläche beurteilen
  5. anschließend die gesamte Fläche bearbeiten

So können Sie vorab sehen, wie der Farbton und die Oberflächenwirkung in Ihrem Raum tatsächlich zur Geltung kommen.

Lehmfarbe von Clayfix

Für die Gestaltung natürlicher Innenräume bietet die Lehmbox unter anderem Lehmfarbe von Clayfix an.

Die gebrauchsfertige Lehmfarbe ist für eine unkomplizierte Verarbeitung vorgesehen und in verschiedenen natürlichen Farbtönen erhältlich.

Je nach Untergrund und gewünschter Oberfläche sollte die Verarbeitung entsprechend den produktspezifischen Angaben erfolgen.

Bei Fragen zur Auswahl und Anwendung können Sie sich gerne persönlich an die Lehmbox wenden oder uns in unserem Abholmarkt in Merching besuchen.

Häufige Fragen zu Lehmfarbe

Kann man Lehmfarbe direkt auf Lehmputz auftragen?

Ja, grundsätzlich kann Lehmfarbe auf geeignetem Lehmputz eingesetzt werden. Der Untergrund sollte trocken, tragfähig und für den Farbauftrag geeignet sein.

Muss Lehmfarbe verdünnt werden?

Das hängt vom jeweiligen Produkt ab. Einige Lehmfarben werden gebrauchsfertig verarbeitet, während bei anderen Produkten eine Verdünnung vorgesehen sein kann. Entscheidend sind die Herstellerangaben.

Wie viele Anstriche benötigt Lehmfarbe?

Das hängt vom Untergrund, dem Farbton und der gewünschten Deckkraft ab. Je nach Situation kann ein Anstrich ausreichen oder ein weiterer Anstrich erforderlich sein.

Kann Lehmfarbe im Badezimmer verwendet werden?

Lehmfarbe kann in geeigneten Bereichen von Innenräumen eingesetzt werden. In Bereichen mit direkter und regelmäßiger Wasserbelastung müssen die Eigenschaften des konkreten Produkts und der gesamte Wandaufbau berücksichtigt werden.

Kann Lehmfarbe ausgebessert werden?

Ausbesserungen sind grundsätzlich möglich. Wie sichtbar eine Reparaturstelle bleibt, hängt unter anderem vom Alter der Oberfläche, dem Farbton und der Verarbeitung ab.

Ist Lehmfarbe diffusionsoffen?

Viele Lehmfarben sind diffusionsoffen. Die tatsächlichen Eigenschaften hängen jedoch von der konkreten Rezeptur und dem gesamten Wandaufbau ab.

Fazit

Lehmfarbe lässt sich bei einem geeigneten Untergrund und sorgfältiger Vorbereitung einfach und vielseitig einsetzen.

Für ein schönes Ergebnis sind vor allem folgende Punkte wichtig:

  • den Untergrund sorgfältig prüfen
  • stark saugende Flächen richtig vorbereiten
  • die Herstellerangaben beachten
  • gleichmäßig arbeiten
  • die Farbe nicht unnötig überarbeiten
  • ausreichende Trocknungsbedingungen schaffen
  • bei Unsicherheit eine Probefläche anlegen

Mit der passenden Vorbereitung kann Lehmfarbe eine natürliche, matte und charaktervolle Oberfläche schaffen und ist damit eine interessante Möglichkeit für die ökologische Gestaltung von Innenräumen.

Passende Produkte für Ihr Projekt finden Sie in der Lehmbox.